Life guarding.
2021-2025
mongolian felt, wood, fibre, rubber, video Loop 3:05 on IPhone (2021)
H 26 x B 202 x 102 T cm

In Life Guarding verknüpft sich der mongolische Filz mit einem Selfievideo aus 2021. Es ist ein intimer und trauriger Moment, den man von einer Reisenden erhascht. Jedoch nach einer Weile entsteht eine Öffnung und Weichheit in meinem Gesicht und man sieht mir an, dass ich etwas hinter mir gelassen habe. So blickt sie sich selbst wiederkehrend in ihrem Spiegelbild an und richtet irgendwann den sanften Blick in Fahrtrichtung der Autofahrt. Wie die beiden Seidenrollen, liegen unterhalb des Filzes zwei Holzleisten. Aufgebahrt zeichnet sich ein Körperabdruck im Filz ab.

First the body. No. First the place. No. First both. Now either. Now the other.
(Now I know nothing at all. I came.)
2024-25
acrylic resin, silicone, hemp rope, Mongolian felt, soil slab grave - horses, different materials
44 x 224 x 80 cm
photo: Claudia Mann, VG Bild-Kunst, Bonn 2025
exhibition view: Earth of Healing, Chinggis Khaan National Museum, Ulaanbaatar Mongolia

background: Absence First.
2024-25
40 x 50 cm each
Inkjet Print on photopaper, wooden frame

foreground: Say ground. No ground. Ground no more. Sway grounded. Sway weight, sway pain. Dig ground. Saying ground. Say. No go ground. No mind and pain. Painful mass. A place. Where none. Unknow better now. Fail better. Keep pain.
2024-25
acrylic resin, silicone, hemp rope, wood, soil gobi desert, different materials
84 x 134 x 58 cm

photo: Claudia Mann, VG Bild-Kunst, Bonn
exhibition view:  Earth of Healing, Chinggis Khaan National Museum, 2025

Die neuen Fotoarbeiten Absence First. (2024–25) führen die Auseinandersetzung mit Raum, Wahrnehmung und Anwesenheit konsequent weiter. In analogen stereoskopischen Raumaufnahmen – sogenannten Raumbildern – untersuche ich die Entstehung von Raum nicht als gegebene Größe, sondern als Resultat eines Wahrnehmungsaktes. Raum erscheint hier nicht als messbare Dimension, sondern als etwas, das sich erst im Sehen konstituiert: im Zusammenspiel beider Augen und im geistigen Zusammenfügen fragmentierter Bilder. Ohne technische Hilfsmittel wie eine Stereobrille verbleiben die Fotografien zunächst in der Fläche. Zwar lässt sich durch mittiges Schielen ein Raumbild – eine zusätzliche Dimension – erzeugen, doch bleibt dieser Vorgang bewusst offen. Die Möglichkeit des Sehens wird angeboten, nicht erzwungen. Wahrnehmung wird zu einer Entscheidung, nicht zu einer Instruktion. In dieser Offenheit verschiebt sich die Autorität des Bildes: Es vollendet sich nicht im Objekt, sondern im betrachtenden Körper.

Diese Arbeiten sind keine klassischen Fotografien, sondern bildhauerische Bilder. Sie entstehen aus einer skulpturalen Denkweise heraus und verhandeln Fotografie als eine der Skulptur verwandte Praxis. Bereits Heinrich Wölfflin stellte in seinem Text Wie man Skulpturen aufnehmen soll (1897) die Frage nach der Angemessenheit fotografischer Reproduktion von Skulptur. Er plädierte dafür, Skulpturen unter bestimmten Lichtverhältnissen und Blickwinkeln zu fotografieren, um ihre Wirkung nicht zu verfremden. Außerdem fügt er hinzu, dass die künstlerische Denkweise zum Werk, verkörpert werden muss. In einer späteren Fassung von 1915 versah er diesen Text bewusst mit einem Fragezeichen, da sich Licht und Wahrnehmung unablässig verändern und eine Skulptur niemals in einer einzigen, endgültigen Ansicht aufgeht. Die fotografische Aufnahme erfordert demnach eine fortwährende Auseinandersetzung mit dem Objekt, um dessen Wirkung situativ zu erfassen. Ich verschiebe diese Annahme grundlegend. In Absence First. dient die Fotografie nicht nur einer Abbildung von Skulptur, sondern wird selbst zu einem Ort skulpturalen Denkens. Sie eröffnet Parallelen zu einer Dimension, die sich nicht unmittelbar zeigt, sondern erst durch Wahrnehmung, Vorstellung und körperliche Beteiligung erfahrbar wird. Historisch ist die Stereoskopie eng mit dem Entstehen der Psychologie im 19. Jahrhundert verbunden, die sich zunächst als Naturwissenschaft des Wahrnehmens verstand. Ziel war es, Wahrnehmung objektiv nachweisbar zu machen und experimentell zu erforschen. In diesem Kontext stellte sich die grundlegende Frage, ob Raum als feste Größe existiert oder erst durch Wahrnehmung entsteht. Über das Zusammenspiel beider Augen wurde versucht, räumliche Tiefe technisch zu rekonstruieren. Die daraus hervorgehende These lautete: Raum entsteht im Kopf. Absence First. garantiert keinen Raum. Man blickt zwar in eine Landschaft in der sich etwas platziert, aber die Arbeiten liefern keine objektivierte Tiefe, sondern eröffnen einen subjektiven Möglichkeitsraum. Abwesenheit erscheint hier nicht als Leere, sondern als Bedingung von Möglichkeit – als das, was Wahrnehmung überhaupt erst hervorbringt. Der wiederkehrende Titel Absence First., den ich seit 2019 verwende, bezeichnet keine Werkserie im engen Sinne, sondern eine fortlaufende These, die sich in unterschiedlichen Medien und Kontexten immer wieder neu entfaltet. Nichtanwesenheit an erster Stelle wird nicht als Mangel verstanden, sondern als produktive Voraussetzung: als jener Raum, in dem Wahrnehmung, Vorstellung und Erkenntnis entstehen können. In den stereoskopischen Arbeiten wird diese Abwesenheit als Potenzial sichtbar – im Bild von etwas, das zugleich anwesend und nicht anwesend ist, und im Raum, der nicht gegeben ist, sondern sich im Wahrnehmen bildet.

C.Mann

Die neuen Fotoarbeiten Absence First. (2024–25) führen die Auseinandersetzung mit Raum, Wahrnehmung und Anwesenheit konsequent weiter. In analogen stereoskopischen Raumaufnahmen – sogenannten Raumbildern – untersuche ich die Entstehung von Raum nicht als gegebene Größe, sondern als Resultat eines Wahrnehmungsaktes. Raum erscheint hier nicht als messbare Dimension, sondern als etwas, das sich erst im Sehen konstituiert: im Zusammenspiel beider Augen und im geistigen Zusammenfügen fragmentierter Bilder. Ohne technische Hilfsmittel wie eine Stereobrille verbleiben die Fotografien zunächst in der Fläche. Zwar lässt sich durch mittiges Schielen ein Raumbild – eine zusätzliche Dimension – erzeugen, doch bleibt dieser Vorgang bewusst offen. Die Möglichkeit des Sehens wird angeboten, nicht erzwungen. Wahrnehmung wird zu einer Entscheidung, nicht zu einer Instruktion. In dieser Offenheit verschiebt sich die Autorität des Bildes: Es vollendet sich nicht im Objekt, sondern im betrachtenden Körper.

Diese Arbeiten sind keine klassischen Fotografien, sondern bildhauerische Bilder. Sie entstehen aus einer skulpturalen Denkweise heraus und verhandeln Fotografie als eine der Skulptur verwandte Praxis. Bereits Heinrich Wölfflin stellte in seinem Text Wie man Skulpturen aufnehmen soll (1897) die Frage nach der Angemessenheit fotografischer Reproduktion von Skulptur. Er plädierte dafür, Skulpturen unter bestimmten Lichtverhältnissen und Blickwinkeln zu fotografieren, um ihre Wirkung nicht zu verfremden. Außerdem fügt er hinzu, dass die künstlerische Denkweise zum Werk, verkörpert werden muss. In einer späteren Fassung von 1915 versah er diesen Text bewusst mit einem Fragezeichen, da sich Licht und Wahrnehmung unablässig verändern und eine Skulptur niemals in einer einzigen, endgültigen Ansicht aufgeht. Die fotografische Aufnahme erfordert demnach eine fortwährende Auseinandersetzung mit dem Objekt, um dessen Wirkung situativ zu erfassen. Ich verschiebe diese Annahme grundlegend. In Absence First. dient die Fotografie nicht nur einer Abbildung von Skulptur, sondern wird selbst zu einem Ort skulpturalen Denkens. Sie eröffnet Parallelen zu einer Dimension, die sich nicht unmittelbar zeigt, sondern erst durch Wahrnehmung, Vorstellung und körperliche Beteiligung erfahrbar wird. Historisch ist die Stereoskopie eng mit dem Entstehen der Psychologie im 19. Jahrhundert verbunden, die sich zunächst als Naturwissenschaft des Wahrnehmens verstand. Ziel war es, Wahrnehmung objektiv nachweisbar zu machen und experimentell zu erforschen. In diesem Kontext stellte sich die grundlegende Frage, ob Raum als feste Größe existiert oder erst durch Wahrnehmung entsteht. Über das Zusammenspiel beider Augen wurde versucht, räumliche Tiefe technisch zu rekonstruieren. Die daraus hervorgehende These lautete: Raum entsteht im Kopf. Absence First. garantiert keinen Raum. Man blickt zwar in eine Landschaft in der sich etwas platziert, aber die Arbeiten liefern keine objektivierte Tiefe, sondern eröffnen einen subjektiven Möglichkeitsraum. Abwesenheit erscheint hier nicht als Leere, sondern als Bedingung von Möglichkeit – als das, was Wahrnehmung überhaupt erst hervorbringt. Der wiederkehrende Titel Absence First., den ich seit 2019 verwende, bezeichnet keine Werkserie im engen Sinne, sondern eine fortlaufende These, die sich in unterschiedlichen Medien und Kontexten immer wieder neu entfaltet. Nichtanwesenheit an erster Stelle wird nicht als Mangel verstanden, sondern als produktive Voraussetzung: als jener Raum, in dem Wahrnehmung, Vorstellung und Erkenntnis entstehen können. In den stereoskopischen Arbeiten wird diese Abwesenheit als Potenzial sichtbar – im Bild von etwas, das zugleich anwesend und nicht anwesend ist, und im Raum, der nicht gegeben ist, sondern sich im Wahrnehmen bildet.

C.Mann

Absence First.
(Khirigsuur grave - left presence. & Shaman rock - full moon.)
2024-25
silk, wood, paper, graphite, soil
13 x 210 x 36 cm
photo: Claudia Mann, VG Bild-Kunst, Bonn
exhibition view: Earth of Healing, HUE Gallery 2025

Absence First. (Khirigsuur grave - left presence. & Shaman rock - full moon.)
(details)

Zwei eingerollte Seiden liegen im Ausstellungsraum wie auf einer Bahre zum Boden ausgerichtet. Die darauf zum Teil sichtbaren Boden-Körperabriebe sind nicht zu ergründen. Die Seiden sind datiert und Benennungen fungieren weniger als Dokumentation denn als persönliche Eselsbrücken. Diese
performativen Arbeiten öffnen einen Raum zwischen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit, zwischen Erinnerung und Material.

First the body. No. First the place. No. First both. Now either. Now the other.
2024-25
acrylic resin, silicone, hemp rope, wood, soil shaman rock, different materials
42 x 50 x 50 cm
photo: Claudia Mann, VG Bild-Kunst, Bonn
exhibition view: Earth of Healing, HUE Gallery 2025

First the body. No. First the place. No. First both. Now either. Now the other.
2024-25
acrylic resin, silicone, hemp rope, wood, soil Khirigsuur grave , dif. materials
39 x 58 50 cm
photo: Claudia Mann,VG Bild-Kunst, Bonn
exhibition view: Earth of Healing, HUE Gallery 2025

Say ground. No ground. Ground no more. Sway grounded. Sway weight, sway pain. Dig ground. Saying ground. Say. No go ground. No mind and pain. Painful mass. A place. Where none. Unknow better now. Fail better. Keep pain.
2024-25
acrylic resin, silicone, hemp rope, wood, soil gobi desert, different materials
84 x 134 x 58 cm
photo: Claudia Mann, VG Bild-Kunst, Bonn
exhibition view: Earth of Healing, HUE Gallery 2025