HAL Head Arm Leg
2023
aluminium
(Dim v.)
installation view: GEHEN UND KOMMEN, projectspace SPACED OUT
photos: Marjorie Brunet Plaza
Auf die Frage, was Skulptur sei, legt die 1982 in Wuppertal geborene Bildhauerin Claudia Mann fest:
‚Skulptur ist Boden‘.
Der Boden bildet den Ausgangspunkt ihres bildhauerischen Konzepts, welches sie kontinuierlich weiterentwickelt. Claudia Mann führen ihre Gedanken über den Boden weiter, hin zu der Überlegung, dass wir Menschen aufrecht in ständiger Balance zu diesem und Berührung mit diesem stehen. Da ein Objekt drei Standpunkte braucht, um fest zu stehen, wir Menschen aber nur zwei Beine haben, bildet nach Überlegungen Manns das im Kopf befindliche Gleichgewichtsorgan das ‚dritte Standbein‘. Sie spielt für den Moment den Knotenpunkt unseres Körpers, die Hüfte, aus und widmet sich einem Parameter, der mit einem Gefühl zu tun hat und nicht messbar sein muss. Indem wir uns ständig austarieren, schaffen wir die nötige innere und äußere Stabilität, um eine gute Standfestigkeit auf dem Boden zu wahren. Das Prinzip der Balance und der Bewegung stellt somit trotz der Starrheit der Materialien in Manns Werken ein Grundprinzip künstlerischen Schaffens dar; so zeigen ihre Werke alle Resultate vorhergehender Handlungen auf.
Für ihre Ausstellung GEHEN UND KOMMEN hat Claudia Mann vor Ort für den Projektraum SP A C E D OU T auf dem Gut Kerkow über mehrere Monate hinweg das Werk HAL (Head, Arm, Leg) produziert. Für HAL hat die Künstlerin selbst drei Löcher in die Uckermärker Erde auf dem Gut Kerkow gegraben, diese mit Wachs abgeformt und als Aluminiumgüsse in eine beständige Form übertragen. Die drei Erdlöcher folgen dem Prinzip, in diesen gerade eben ihre eigenen drei Körperteile Kopf, Arm und Bein (HAL = Head, Arm, Leg) versenken zu können - die drei Körperteile, die maßgeblich für die Balance und Standfestigkeit auf dem Boden verantwortlich sind. Das Versenken und Prüfen des jeweiligen Raumes im Erdreich lässt sich vom Rest des Körpers nicht emanzipieren, sondern ist ein enorm wichtiger Parameter für das Zusammenspiel aller Teile in einem System; so ist für „Leg“ nicht nur ein Bein sondern auch das andere Bein und auch der dazugehörige Körper um das Loch herum zu arrangieren.
Sie beschreibt, dass sich der Raum um sie in ihr Wahrnehmungsfeld verschiebt. Je länger sie bleibt, desto mehr kann sie im Erdreich wahrnehmen und wird sensibler. Die Bäume über ihr werden zu einer Art Dach und umfassen sie, wenn sie in den Prozess des „Aneignens“ gerät. Der Standort wird ab diesem Moment ein Ort und beginnt sich zu festigen und sie selbst spürt ihre eigene Anwesenheit als Teil des Ganzen: (...) In dem Loch höre ich den Bussard nur noch gedämpft aus weiter Entfernung, dabei kreist er genau über mir. Wenn er sich aus dem Raum direkt über diesem Erdloch entfernt, nehme ich ihn gar nicht mehr wahr. Es ist ein Resonanzraum. Und mit den nun drei ausgelagerten Körpergefühlen, expandiere ich räumlich und ein menschlicher Körper lässt sich durchschreiten. (...)
Sabine Schmidt, PSM
HAL (Head, Arm, Leg)
photo: Claudia Mann, VG Bild-Kunst, Bonn; Kunstgießerei/ art foundry Schmäke, Düsseldorf
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