exculpate
2025
bronze
200 x 80 x 80 cm
private collection DE
photos: Claudia Mann, VG Bild-Kunst, Bonn
exculpate ist eine Bronzeplastik, deren Form aus einem fortlaufenden Wechselspiel von Präsenz und Abwesenheit entsteht. In der Dialektik von Stabilität und Fragilität erscheint die Form nicht als fixierter Endpunkt, sondern als oszillierende Beziehung zwischen Materialität und innerer Verfasstheit. Der Entstehungsprozess beginnt mit Wachspassstücken sowie konvexen und konkaven Volumina, die aus Abformungen von Erdlöchern und -hügeln hervorgehen. Diese Übertragungen aus dem Boden aktualisieren physische wie mentale Zustände und bündeln sich in einer zentralen Prämisse: Skulptur ist Boden. Der Titel exculpate, abgeleitet von exculpare (freisprechen, entlasten), entfaltet seine Bedeutung in der Nähe zu sculpere (abtragen). Entgegen dem klassischen Verständnis von Skulptur fügen sich hier Bestandteile zusammen. Es entsteht eine Plastik, die eine Fragilität als Stärke formuliert. exculpate ist kein Moment, sondern ein Prozess – eine Manifestation von Boden in Bronze. Daraus entsteht eine Ambivalenz: Schuld und Scham werden nicht entfernt, sondern freigelegt. Abwesenheit entsteht nicht durch Wegnahme, sondern durch Offenlegung und Balance. Die Form verweigert sich vollständiger Verfügbarkeit und eröffnet gerade dadurch einen Resonanzraum zwischen Material, Werk und Betrachter. exculpate bleibt unabschließbar – ein Resonanzkörper in menschlicher Größe.